Onlinekurs

07.03.2026 | BERND BÖTTGER, FRANKFURT

Von der paranoiden Gesellschaft zum kollusiven Paar

Henry Dicks und die innere Demokratisierung von Beziehung

Im Jahr 2026 veranstaltet der Bundesverband erstmals eine online-Vorlesungsreihe. Die einzelnen Veranstaltungen werden von den unterschiedlichen Ausbildungsstätten konzipiert und durchgeführt und sollen einen Eindruck von den vielfältigen theoretischen und behandlungstechnischen Zugängen der psychodynamischen Paar- und Familientherapie vermitteln.

Dieser Teil des  Online-Seminars widmet sich dem Werk des britischen Psychoanalytikers Henry V. Dicks und seiner Verbindung von gesellschaftlicher Zeitdiagnose und klinischer Beziehungstheorie. Ausgangspunkt ist Dicks’ Erfahrung als Kriegspsychiater und seine Analyse autoritärer und paranoider Sozialstrukturen, aus denen er ein psychoanalytisches Verständnis von Beziehung als Ort kollektiver wie individueller Abwehr entwickelte.

Im Zentrum steht die These, dass Paar- und Beziehungsdynamiken als Mikromodelle gesellschaftlicher Organisation gelesen werden können: Angst, Schuld, Abhängigkeit und Macht erscheinen nicht nur intrapsychisch, sondern werden im Zwischenraum der Beziehung organisiert und stabilisiert. Dicks’ Konzept der Kollusion beschreibt dabei keine Pathologie im engeren Sinn, sondern eine unbewusste Form relationaler Ordnung, die Konflikt bindet, Ambivalenz begrenzt und zugleich Entwicklung hemmen kann.

Das Seminar entfaltet Dicks’ klinische Typologie kollusiver Beziehungen, seine Idee der „inneren Demokratisierung“ von Beziehung sowie die Bedeutung von Ambivalenztoleranz, Differenz und Verantwortung. Verbindungen zu späteren intersubjektiven und mentalisierungstheoretischen Ansätzen werden aufgezeigt, ohne den historischen Ort von Dicks’ Denken zu nivellieren.

Abschließend wird diskutiert, inwiefern psychoanalytische Arbeit – im Einzel- wie im Beziehungskontext – als Beitrag zu einer psychischen und gesellschaftlichen Demokratisierung verstanden werden kann: nicht durch Auflösung von Konflikt, sondern durch seine symbolisierbare Austragung im relationalen Raum. 

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